Hin und Her
Du erkennst ihn nicht sofort. Unscheinbar sitzt er neben dir im Seminar oder trägt sein Tablett durch die Mensa. Er trägt keine anderen Sachen als du, er hat auch keine sonderbare Frisur, eher unauffällig bewegt er sich unter all den anderen. Vielleicht merkst du es, wenn er sich etwas absondert, weil er doch irgendwie noch in einer anderen Welt zu leben scheint. Aber auch nur vielleicht, denn es sind nicht alle so. Das einzige Merkmal, was sie wohl alle verbindet, ist ihre Heimatlosigkeit. Ein Leben zwischen 2 oder auch 3 Welten, die in einer Woche angenagt werden, um dann viel zu schnell wieder verlassen zu werden. Kaum ist er sesshaft geworden und hat sich in einer Welt eingenistet, schon reißt ihn die Zeit wieder fort. Ein Fuß im Zug, ein anderer in der Straßenbahn, ein Blick auf das Feld, einer zum Hochhaus gegenüber. Nicht nur sein Körper bewegt sich ständig von einem Ort zum nächsten, auch sein Gefühl weiß nicht recht wohin. Es gibt einige, die sind von der räumlichen Trennung zwischen der Heimat, der Liebe und dem Studium wenig beeindruckt, die nehmen das Leben so hin, wie es sich eben gerade darbietet. Und dann gibt es jene, die fühlen ein Reißen in sich, wenn sie fort müssen, weil sie doch viel lieber alles an einem Fleck vorfinden würden. Aber im Endeffekt hat doch jeder an seinem Lebensstil etwas Positives festzustellen. Selbst wenn er es nicht gerade gut findet, von Zeit zu Zeit die Welt zu wechseln, so kann er sich doch wenigstens in jeder Welt auf die Hauptsache konzentrieren. Dann sollte doch nichts leiden und die Hauptsache vielleicht besser gelingen. Aber es bedarf manchmal einiger Zeit, bis er sich das wieder klar gemacht hat, vor allem, wenn er von dort weg muss, wo er am liebsten ist. Vielleicht wird er irgendwann einmal damit leben können, sowie die eine Hälfte, vielleicht wird es aber auch immer ein schwerer Schritt bleiben. Nur eines ist sicher – auch diese Lebensphase wird ein Ende finden…