Zwischen Hochhäusern und Straßenbahnen
Du bist nur einer unter vielen anderen, die täglich in die Straßenbahn steigen, die Rolltreppe in einem Kaufhaus benutzen, die an roten Ampel auf die Farbe der Hoffnung warten, die sich dem Gestank von Abgasen aussetzen. Du weißt nicht, was schlimmer ist, dass du nur einer von vielen bist, oder dass du täglich Straßenbahn fährst und im Block wohnst. Es ist nicht deine Absicht, dich dafür zu verurteilen, wenn du damit glücklich bist, du kannst dich daran nur nicht gewöhnen. Wahrscheinlich bist du immer einer von vielen, wenn du etwas kannst, hebst du dich heraus, wenn nicht, gehst du eben unter. Wahrscheinlich ist das hier genauso wie in einem Ort ohne künstliche Parks und mit richtigen Feldern. Immerhin bist du verpflichtet zu kämpfen, für dich und andere. Es geht nicht ohne, aber du kannst auch nicht immer mit. Du steigst Woche für Woche in den Zug und sehnst dich nach der Natur, nach der Ruhe, nach dem Leben ohne Anonymität. Du atmest die Luft süchtig ein, bis du wieder fahren musst und sich die Welt wieder dreht. Entkommen kannst du ihr nie, es geht nicht mehr ohne Konsum, es geht nicht mehr ohne Auto, es geht nicht mehr ohne Hektik. Du steigst wieder in die Straßenbahn, läufst neben dem Rauschen der Autoreifen auf kaltem, grauen Asphalt zu deinem Block, trittst in dein kleines Zimmer. Dein kleines Zimmer nennst du es, auch wenn es dir nicht gehört. In 4 Jahren oder 5 wird hier jemand anderes wohnen, auch hier nur eine Nummer an der Tür, auch hier bist du anonym. Wie die anderen im Haus, wie die anderen im Viertel. Von allen Seiten wirst du gelockt, die silber-goldenen Münzen aus deiner kleinen ledernen Börse zu geben, für versprochenen Spaß, für künstliches Wasser, für plastische Pflanzen und all die anderen Sachen, die vor Lebensnotwendigkeit strotzen. Du fragst dich, wo die Kinder sind, die ihre kleinen Füße im Bach waschen wollen. Du suchst die Menschen, die sich nicht scheuen, sie selbst zu sein. Vielleicht gibt es sie auch hier, aber es ist schwer sie zu erkennen, wenn niemand er selbst ist, sein will, weil die Gesellschaft die Menschen so nicht möchte.
Du steigst aus der Bahn aus und gehst deiner täglichen Arbeit nach, du funktionierst, du bist die Maschine, die sich automatisch anschaltet. Du fragst dich, wann es soweit ist, dass du einmal die Natur genießen kannst, eine Wiese besuchen kannst, die nicht rechtwinklig zusammengepresst wurde. Du sehnst dich Tag für Tag danach, doch irgendwann wird es zu spät sein. Du bist hier nicht zu Hause, dass weißt du. Du wirst aber deinen Weg gehen und am Ende auf dem Feld stehen, mit deinen Kindern an Bächen spielen, deinen eigenen Hof haben, dein eigenes Leben. Wenn auch nur nach Feierabend…